20. März 2018

Über die Wupper gehen (Tag 1 - 3: Die Städte)


Tag 1 Köln-Worringen - Leichlingen (20 km)

Nach vier Tagesetappen, die mir den langen Winter verkürzten, und mich von zu Hause über Nideggen, Nörvenich und Königsdorf nach Köln-Worringen führten, ist es Zeit für eine längere Tour. Die erste Woche der Osterferien nutze ich, um den Fluss Wupper zu erkunden und in seinem Tal ostwärts und vor allem aufwärts zu wandern.
Quelle: outdooractive.com
Der Rucksack ist gepackt, das Abenteuer Wupperweg beginnt mit einer Bahnfahrt nach Köln-Worringen, einem S-Bahnhof mitten im Nirgendwo, wie ich beim Aussteigen feststelle. Ich hatte ja noch nicht gefrühstückt, und hoffte, hier ein Brötchen und einen Becher Kaffee kaufen zu können, aber nix - ein reiner Zweckhalt im Feld auf halbem Weg zwischen Worringen und Roggendorf. Also mit leerem Magen die ersten Kilometer durchs Worringer Bruch und zur Fähre nach Köln-Langel. Dort, am Fährhaus gibts endlich Frühstück.

Wupper-Katarakt
Die Fähre bringt mich nach Leverkusen, und ich laufe etwa zwei Kilometer rheinaufwärts, bis ich an der Wuppermündung stehe. Von hier an ist der Wupperweg gut mit einer Raute und der Ziffer 6 ausgeschildert, und nach kurzer Zeit stehe ich an der ersten Sehenswürdigkeit des Flusses, dem "Wupperfall" - eigentlich eher eine Stromschnelle, die aber erfolgreich verhindert, dass die Wupper schiffbar ist. Weiter führt der Weg, immer nah am Fluss, und es ist nicht zu spüren, dass ich in einer der dichtest besiedelten Regionen Deutschlands bin.
Ich komme an Gut Reuschenberg vorbei, einem alten Herrensitz, weiter geht es nach Opladen. Der nächste Supermarkt wird aufgesucht, um Proviant für den Abend und das Frühstück zu kaufen, denn ich übernachte heute abend in Leichlingen etwas außerhalb bei einem airbnb-Gastgeber. Bis dahin führt mich der weitere Weg aber noch idyllisch durch den Opladener Park, dann durch Wald und über eine Anhöhe zum Haus Vorst, bevor es nach Leichlingen geht. Nach einem Stadtrundgang ist mein Quartier schnell gefunden, und ich mache es mir in einer alten Villa gemütlich und lasse den Tag ausklingen.

Tag 2: Leichlingen - Solingen Burg (24 km)

Während der erste Tag recht flach war und kaum Höhenmeter aufwies, geht es heute gleich zur Sache. Nachdem ich mich mit einigen Musikanten, die sich auf ein Konzert in der Kirche vorbereiteten, unterhielt und darauf hingewiesen wurde, dass eine Brücke im weiteren Verlauf des Weges gesperrt war, verließ ich den Ort recht schnell. Die Markierung wies mich einen Hang hinauf in wundervolle Obstwiesen. Leichlingen war und ist für seine Streuobstwiesen bekannt. Besonders fasziniert war ich von akustischen Infoboxen, die man zunächst ankurbeln musste, um Strom zu erzeugen. Dann konnte man eine Geschichte über das Obst der Region hören.
Es geht wieder hinab zur Wupper, und von jetzt an nur noch am Fluss entlang. Immer wieder passiere ich alte Schleifkotten - und wie auch schon am Vortag, informieren mich kleine Tafeln über das industrielle Erbe dieser Region. Hier begann die Industrialisierung Deutschlands, in dichten Wäldern, in der Nähe von Erz- und Kohlevorkommen, und an einem schnell strömenden Fluss, der die nötige Energie lieferte.

Schnell komme ich voran, kehre in Untenrüden ein und mache Mittagspause. Weiter geht's über Balkhausen nach Glüder. Hier ist die Umleitung wegen der gesperrten Brücke, auf die ich morgens schon hingewiesen bin, schon ausgeschildert. Also gehe ich hier nicht über die Wupper, da ich wenige Kilometer weiter nicht zurück käme. Ein Stück weiter erreiche ich die besagte Brücke - tatsächlich voll gesperrt und teils ohne Fahrbahn - nur das Stahlgerüst überspannt den Fluss. Ich passiere eine lustige Installation - ein Hörrohr, um dem Plätschern der Elfenquelle zu lauschen. Dann kommt der Ort Burg in Sicht - plötzlich Touristentrubel, in den ich mich eingliedere. Mit der Seilbahn fahre ich hinauf zum Schloss, gönne mir am heutigen Tag der Waffel eine ebensolche, da ich ja anscheinend auch einen an derselben habe, und laufe den letzten Kilometer zur Jugendherberge.

Tag 3: Solingen - Wuppertal (23 km)

Auch der heutige Tag lässt kaum etwas von den beiden Großstädten erahnen, zwischen denen der Fluss Wupper die Grenze bildet. Es geht schnell aus Burg heraus - das nächste markante Ziel ist die Müngstener Eisenbahnbrücke, die das Tal in schwindelerregender Höhe überspannt. Ich nehme mir die Zeit und löse die "Müngstener Rätsel" - im Brückenpark verteilte Trittplatten, die jeweils eine Episode aus der Region, passend zu einem Thema erzählen.

Weiter geht es durch das Tal, das ich mir jetzt mit einer vierspurigen Schnellstraße teilen muss. Zum Glück verlässt der Weg das Tal immer wieder und schlängelt sich auf schmalem Pfad durch die Hänge, erst auf Solinger Gebiet, später auf Wuppertaler Gebiet. Es geht schließlich hoch hinauf ins Burgholz. Hier verlasse ich den Wupperweg auf Empfehlung des Wupperverbandes, des Betreibers des Weges. Ich wechsele auf die zum Rad- und Wanderweg umgebaute Trasse einer Bahnlinie, die mich in weiten Bögen hinab nach Wuppertal führt. Als Highlight überspannt diese Bahnlinie auf einer Brücke einen Teil des Wuppertaler Zoos, und so habe ich einen guten Einblick in das Tigergehege, leider ohne eine der Raubkatzen zu Gesicht zu bekommen. Schließlich steige ich in die Schwebebahn, die mich quer durch die Stadt nach Barmen zur Jugendherberge bringt. Ein letzter steiler Anstieg, dann falle ich in mein Bett.

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